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Thomas Nater ist 38 Jahre jung, Elektromeister im Erstberuf und zugleich treibende Kraft im eigenen Tuning-Betrieb. Golf-Kreationen haben den Göttinger bekannt werden lassen. Bereits 1991 zeigte VW SCENE einen abgrundtiefen Zweier in „Apfelgrün“. Den hat er längst veräußert, genau wie eine Vielzahl umgebauter Porsche. Aber zwischen Wolfsburg und Stuttgart-Zuffenhausen will Thomas nicht abwägen. Im Gegenteil: Er sagt, einen aktuellen Golf müsse jeder haben!
Niemals geht man so ganz. Das weiß auch Thomas Nater. Gölfe giftiger machen – das war früher sein schönster Zeitvertreib. Mit 25 Lenzen debütierte der Elektromeister in VW SCENE. „Apfelgrün“ lackiert war sein Zweier, fürchterlich tief und in unzähligen Details verändert worden. Ein szenetauglicher Typ mit weitreichenden Kontakten – basta! Doch die Welt dreht sich weiter. In diesem Fall bescherte sie nicht nur Frau und Kind, sondern auch einen kleinen, aber feinen Tuning-Betrieb am Stadtrand von Göttingen. Vor sechs Jahren erst gegründet, erfolgte im Jahr 2000 der Umzug in ein eigens errichtetes Gebäude. Thomas Nater selbst schaffte sich irgendwann den ersten Porsche an. Seinen Wurzeln jedoch blieb er treu. Der orange Klassik-Elfer glänzte vor allem bei Terminen wie dem Hannoveraner Maikäfertreffen.
Heute ziert ein Bilderrahmen den Naterschen Showroom. „Schon zehn Jahre her!“, erklärt der Unternehmer und zeiht auf einen wassergekühlten Porsche 996 GT3. „Das Entwicklungstempo ist in jeder Hinsicht hoch gewesen“, stellt er zufrieden fest. Und gerade deshalb besinnt er sich seiner Ursprünge, fordert: „Ein Golf sollte niemals fehlen, in keinem Haushalt!“ Zuletzt war er täglich in einem dieselnden Audi unterwegs gewesen. Nach dessen Vermarktung fiel Thomas Nater ein Werbebrief in die Hände.

Darin bot die örtliche Volkswagen-Niederlassung Fünfer zu besonders günstigen Konditionen feil. Offenbar ging es darum, durch Vorreiter im Straßenbild Begehrlichkeiten zu schaffen. Es kam zum Vertragsschluss, nicht aber zur Auslieferung des betreffenden Golf 5 1,9 TDI. Statt dessen stieg Thomas Nater in einen ZweiliterSelbstzünder mit 140 SerienPS um. Er hatte nicht länger warten wollen und Druck gemacht. Schließlich kribbelte in ihm dieser alte Antrieb des Golf-Schraubers! Doch anders als früher setzte sich der Enddreißiger Budgetgrenzen. Sämtliche Eingriffe sollten überschaubar bleiben, leicht finanzierbar und damit reproduktionsfähig für potenzielle Kunden. Einer der wesentlichen Kostenpunkte: das Fahrund Räderwerk. Ersteres konnte FK Automotive bereits frühzeitig liefern. Inzwischen stellte sich jedoch heraus, dass die gewählte Abstimmung etwas straff geraten ist.
Wie dem auch sei: Felgen im stattlichen 19-Zoll-Format hören auf den schmückenden Namen „Aquila“. Taufpate und damit Hersteller: ATS. Die vorn wie hinten einheitliche Größe: 8J x 19 ET 35. „Durch eine sehr breit angelegte Vorderachse“, führt Thomas Nater aus, “wäre mehr absolut nicht drin gewesen.“ Er hat so schon mit Macht und Kraft den Radläufen zu Leibe rücken müssen. Das Ergebnis ist sehr harmonisch, die Mercedes-Sterne auf den Radnabenkappen hingegen sind Geschmackssache. Wird da eine gewisse Sympathie für (Kult-)Objekte aus Österreich erkennbar? Der Befragte schmunzelt und lenkt zunächst in Richtung Reifen ab: „Die sind von Semperit – made in Austria also! Ich wollte die Preise unten halten, und das ist gelungen. Leider drängen sich Abrollgeräusche in den Vordergrund. Dabei darf nicht vergessen werden, dass immerhin von der Dimension 225/35 ZR19 die Rede ist!“ Der Löwenanteil seines Etats war damit ausgegeben. In Sachen Triebwerksabstimmung beschränkte er sich auf ein umprogrammiertes Motorsteuergerät sowie einen K&N Luftfiltereinsatz.

Das Resultat: 178 PS bei einem maximalen Drehmoment von 375 Newtonmetern. Der Verbrauch pendelt sich bei acht bis neun Litern ein – nicht schlecht für einen steuerbefreiten Diesel! „Laut Porsche-Digitaltacho schafft mein Fünfer 230 km/h“ freut sich Thomas Nater, „wir unternahmen mit dem 996 GT3 als Vorausfahrzeug Messfahrten und wissen es jetzt genau.“ Für das Innenleben der Gepäckraumhaube gilt dies ebenfalls. An ihr fehlen Markenemblem und Griff zum Öffnen.
Des Rätsels Lösung: jeweils eine Taste in Mittelkonsole und Kennzeichenmulde. Sie sind so geschaltet, dass sie eine Betätigung während der Fahrt unmöglich bleibt. Elektronik ist Naters Paradedisziplin, und darum prägen Xenon-Scheinwerfer einschließlich dynamischer Leuchtweiten-Regelung das Gesicht. Türgriffe und seitliche Profilleisten in Wagenfarbe runden das Design-Programm ab. Sie waren vorab bestellt worden, um ohne Verzögerung loslegen zu können. Der Mensch lernt eben dazu. Dies bestätigt ein Blick in das Wageninnere. War einst ein möglichst klein gehaltenes Lenkrad ohne Airbag Golfers Gral, so ist es heutzutage eher ein Navigationssystem. Zwar erinnert die dazugehörige Dachantenne an die Miniatur eines Ozeanriesen. Doch insgesamt fällt sie nicht unangenehm auf. Organspender war der T4 gewesen. Nater lächelt geheimnisvoll: „Eigenartig – ihre Beleuchtung passte am besten.“
Überhaupt wirkt die „Comfortline“ Ausstattung stimmig. Und ein 32er Airbag-Volant aus Herdecke ist auch schon drin, auf den Markt gebracht von Raid. „So habe ich den Stand der Golf-Technik wieder einmal mehr als erreicht“, zieht die Antriebskraft bei AP Car Design ein Fazit. Dann fallen ihm alte Bekannte aus der VW-Scene ein. Einer von ihnen ist Düsseldorfer und seit wenigen Wochen Besitzer eines 964 Carrera aus den frühen Neunzigern. „Back to the Roots – zurück zu den Wurzeln – könnte auch für mich eine Devise sein“, offenbart Nater. Auch er dürfte eines Tages auf einen klassischen Sportler zurückgreifen und so einen Schlusspunkt setzen.
Dazu hätten wir ein weiteres Motto parat:
„It all comes back to you – es holt dich alles ein“.
Irgendwann.

Scene Facts
Typ: Golf 5 · Baujahr: 2004 · Motor: 2.0 TDI, K&N-Luftfiltereinsatz, durch AP-Car-Design modifiziertes Motorsteuergerät · Leistung: 178 PS / 375 Nm · Fahrwerk: FK-Gewinde · Felgen: ATS "Aquila" in 8J x 19" ET 35 · Bereifung: 225/35 ZR19 von Semperit · Karosserie: nachgearbeitete Radläufe, in Wagenfarbe ausgeführte Türgriffe und seitliche Zierleisten, cleane Heckklappe · Interieur: "Comfortline", T4-Navigationssystem, 32er Raid-Airbag-Lenkrad · Fahrleistungen: 230 km/h Spitzengeschwindigkeit
Text: Carsten Krome, Fotos: Carsten Krome, Marc Timmer
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