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Stellen Sie sich vor, Ihr 996 GT3 in vornehmen „Sealgrau“ käme Ihnen plötzlich nicht mehr sportlich genug vor. Würden Sie allen Ernstes auf die Idee kommen, nach ein paar Tausend Kilometern einen Lackierer anzusprechen? Wir nehmen an: sehr wahrscheinlich nicht! Und auch Thomas Nater suchte nach einer Alternative. 2002 bereits hatte sein GT3 der ersten Serie Aufsehen hervorgerufen. Die Grand-Prix-weiße Grundfarbe belebten bunte Rauten. Im Nachgang unserer Ausgabe 02/2003 erreichten süffisante Briefe die Redaktion. Einer formulierte damals sogar: „Na ja, wir haben Karneval!“ Inzwischen steht fest, dass Folie noch viel mehr kann: Spritzpistolen ersetzen nämlich. Was Nater dazu animierte, ein höchst innovatives Ebenbild des 996 GT3-RS zu schaffen.

Dass Zuffenhausen den famosen 996 GT-RS in einer limitierten Stückzahl aufgelegt hat, wissen unsere Stammleser längst. Thomas Nater jedenfalls konnte keinen ergattern. Als entsprechende Orders fällig wurden, saß er noch im modifizierten 996 Carrera Cabriolet. PORSCHE SCENE fotografierte es im Herbst 2003, um in Ausgabe 04/2004 ausführlich zu werden. Inzwischen ist die offene Versuchung nicht nur an einen Fahrschul-Besitzer veräußert, sondern ein weiteres Mal reproduziert worden! Und es ist anzunehmen, dass auch




dieser Beitrag zu erhöhtem Verkehrsaufkommen rund um Göttingen führen wird. Nater ist nämlich ein weiterer Streich geglückt. Seine neueste Errungenschaft – ein aktueller 996 GT3 – wechselte die Farbe ohne Hinzutun eines Lackierers! Dabei war das ursprünglich sealgraue Coupé beispielgebend für seine Gattung gewesen: vornehm, komfortabel, sportlich. Ein Frankfurter Gastronom empfand diese Kombination jedoch als unspannend. Zunächst bestellte er ein Clubsport-Werkspaket nach, um anschließend mangelnde Großstadt-Tauglichkeit zu reklamieren! 2.800 Kilometer stärkten sein Verlangen nach einer Mercedes-Karosse. Wahrscheinlich eine kluge Entscheidung – wer Porsche fährt, sollte auch über entsprechendes Gedankengut verfügen! Auf Thomas Nater trifft dies Gewiss zu, selbst wenn er in schöner Regelmäßigkeit die Cockpits wechselt. Meist sagt er dann: „Der Weg ist das Ziel!“ Es mag faszinieren, sich für Projekte zu engagieren. Doch beim jüngsten Ergebnis sei ein Appell platziert: Bitte nicht schon wieder umsteigen, selbst wenn die Schrauberseele drängt! Warum der derzeitige 996 GT3 in seinem Besitz verbleiben sollte, ist einfach erklärt: Er entspricht dem 996 GT3-RS bis ins Detail.
Dass es überhaupt dazu kam, verdankt Thomas Nater einem Zufall. Auf einem Anhänger hatte er ein Original an sich vorbeihuschen sehen und Feuer gefangen. In diesem Augenblick fiel ihm ein, dass die Produktion insgesamt vergriffen war. Warum also nicht den soeben erworbenen, sealgrauen Standard-GT3 auf diesen Stand bringen? Schließlich hatte der ewig Umtriebige vorgesorgt: „Ich wusste, dass die Teams im Carrera Cup ihre




Einsatzfahrzeuge auf Wunsch jeweiliger Geldgeber umkleben – einschließlich der Grundfarbe! Also hakte ich entschieden nach.“ Es fand sich ein spezialisierter Betrieb im Norden Deutschlands, der Meterware in einem geheimen Verfahren verarbeitet. „Man darf nicht zusehen, alles ist sehr verschwiegen“, beschreibt Thomas Nater und stellt fest: „Die Jungs wollen sich halt nicht in die Karten blicken lassen!“ Trotzdem hatte ihn das bis dato gesehene überzeugt. „Wer bis zu fünf Jahren Gewährleistung einräumt, hat nicht viel zu verbergen“, heißt es entspannt.
Und so sollte ein speedgelber Überzug auf das 2003 geformte Blech kommen. Doch wenige Stunden vor Beginn der auf fünf Werktage angesetzten Arbeiten revidierte Nater seine Pläne. Strahlendes Weiß war der neue Favorit, dazu Zierstreifen im „Rivierablau“ von 1973. Dabei sollte es bleiben – und wenig später war die Verwandlung geschehen. Am vorderen Stoßfänger gaukelt eine FolienAttrappe das Vorhandensein eines Entlüfterrahmens vor. Dessen zusätzlicher Abtrieb wird aber nicht benötigt. Es genügt eine Frontspoiler-Lippe aus Kohlefaser, deren Linien weitestgehend dem CupVorbild entsprechen. Über der GT-3 Motorhaube breitet sich ein Flügelblatt im RS-Design aus. Ähnlich wie die vordere Lippe kam bei der Herstellung Sicht-Kohlefaser zum Einsatz. Ein leistungsfördernder Kniff: das Air-Ram-System am Leitwerk. Mittels Stehbolzen befestigt, wirkt es wie ein Luftsammler. Thomas Nater weiß aus eigener Erfahrung: „Ab 170 km/h bringt es spürbar mehr Kraft. Ich gehe von 15 bis 20 PS aus. Heranströmende Luft wird effektiv in den Triebwerksraum hineingepresst. Daraus ergibt sich eine Art Aufladungseffekt.“




 Das frappierende Resultat: Spitzengeschwindigkeiten auf TurboNiveau! „Der Digitaltacho hat bereits 346 km/h bei 7.950 Umdrehungen angezeigt. Bereinigt dürfte man von 320 Sachen ausgehen können“ lautet ein mehr als zufriedener Report. Gewiss – eine Performance wie diese setzt Eingriffe im Motorumfeld voraus. Konkret: zwei speziell gefertigte Fächerkrümmer, Metall-Katalysatoren, SportEndschalldämpfer, durchlässigerer BMC-Luftfilter, zuletzt eine Modifikation des digitalen Motorsteuergeräts. Im Stillstand gemessen, ergeben sich 404 PS statt ursprünglich 381. Den dynamischen Zuwachs durch das Air-Ram-System berücksichtigt dieser Wert naturgemäß nicht. Und er setzt Standfeste Reifen voraus, die Yokohama in 19-Zoll Dimensionen liefert. Der Conti „Sport Contact 2“ hatte Naters Fahrstil nicht entsprochen: „Ich stelle meine Fahrwerke stets auf geringfügiges Untersteuern ein. Mit dem Conti war ich in dieser Hinsicht weniger froh, als mit dem ‚AVS Sport’. Der ist zumindest im Trockenen gut!“ Cargraphic war zur Stelle, als es um chice Dreiteiler ging.
Ihre Sterne haben die Pfälzer „warm ausgelagert“. Der Sinn: Optimale Festigkeit. Obendrein schützt rivierablauer Lack die gekreuzt angeordneten Speichen. Das sieht klassisch aus und passt zum schnörkelfreien Stil. Wer Thomas Nater kennt, bringt zur Begutachtung seiner Schöpfungen stets Lineal und Bleistift mit. Mit 25 Millimetern ist die Absenkung maßvoll ausgefallen. Sie ist auf ein geändertes Cup-Fahrwerk zurückzuführen. FVD-Experte Georges Kiefer hatte den Mix aus Billstein-Stoßdämpfern und im Vergleich zur Rennstrecke weniger straffen H&R Federn empfohlen. Auf der Radlastwaage




justiert, ergibt sich daraus helle Freude am Vorwärtskommen. Stahlflex-Leitungen im Bremssystem, gelochte Stahlscheiben und keramische Reibbeläge von Pagid halten die Fuhre sicher im Zaum. Inzwischen haben 5.500 Kilometer volle Praxistauglichkeit unter Beweis gestellt. Und dies betrifft auch die Folierung. Zwar erhielt Thomas Nater zur Abholung ein Reparaturset für kleinere Steinschläge, doch er benötigt es so gut wie nie. „Mein Beispiel wird Schule machen“, glaubt der Niedersachse. „Die gebotene
Qualität ist gut – keinerlei Übergänge, Blasen oder Risse. Da sind Profis am Werk!“ Wie das bisherige Lackkleid auf die Verpackungskunst vorbereitet worden sei? „Polieren sollte man nicht unbedingt. Meines Wissens genügt vor Ort Silikonentferner, um dern Untergrund fettfrei zu bekommen. Mehr ist mir aber nicht bekannt.“ Was passiert, wenn ihm eines Tages der Sinn nach „Signalgrün“ stehen sollte? Thomas Nater lacht: „In drei bis vier Stunden ist alles mühelos abgezogen – ideal für Menschen, die mit der Mode gehen!“ Dies spräche zurzeit für Batik-Muster. Dem Vernehmen nach wäre sogar dies möglich. Aber keine Sorge: Aus Göttingen ist Entsprechendes kaum zu erwarten, eher ein 964 Carrera RS. „Das waren schöne Zeiten“, schwärmt der Vater einer Tochter, „vielleicht kehre ich irgendwann zu meinen Wurzeln zurück. Dieses Kribbeln werde ich sowieso nicht los!“ Die Nachricht eines guten Bekannten aus Düsseldorf dürfte dazu beigetragen haben: Szene-Discjockey Alex Schmidt hat kürzlich vorgelegt.




Tech-Facts:

Typ: 996 Carrera GT3 2003 · Karosserie: geschlossenes Coupé, selbsttragend, beidseitig verzinkter Leichtbau Ganzstahl-Aufbau, im Auftrag von AP-Car-Design aus Kohlefaser gefertigte Frontspoiler-Lippe Typ Carrera Cup, stilisierter Entlüfterrahmen aus Folie, aus Kohlefaser gefertigte Außenspiegel-Gehäuse, Seitenschweller, aus Kohlefaser gefertigtes, zweifach verstellbares Flügelblatt analog GT3 RS auf Original-GT3-Motorhaube, mit Stehbolzen befestigter Air-Ram-Luftsammler, Original-Lackierung in Sealgrau, Folierung in Grand-Prix-Weiß mit seitlichen Zierstreifen in Rivierablau · Motor: wassergekühlter Sechszylinder-Boxer, vier Ventile pro Zylinder, Motorblock und Zylinderköpfe aus Aluminium, Titanpleuel, vier obenliegende Nockenwellen, BMC-Luftfilter, variable Steuerzeiten durch stufenloses VarioCam, hydraulischer Ventil-Ausgleich, Schaltsaugrohr, Trockensumpf-Schmierung, zweiflutige Abgasanlage mit jeweils einem Metall-Katalysator, zwei speziell gefertigte Fächerkrümmer, vier Lambda-Sonden für Gemischregelung und Diagnose, Sport-Endschalldämpfer, On-Board-Diagnose-System, modifizierte, digitale Motorsteuerung ME7.8, elektronische Zündung mit ruhender Zündverteilung (sechs Zündspulen), sequenzielle Multipoint-Einspritzung, E-Gas · Hubraum: 3.600 ccm · Motorleistung: 404 PS · Kraftübertragung: Motor und Sechsgang-Schaltgetriebe zu einer Einheit verschraubt, Antrieb über Doppelgelenkwellen auf die Hinterräder, 240 mm Kupplungsdurchmesser · Bremsanlage: vorn Sechskolben-Aluminium-Monobloc-Sättel, Stahlflex-Leitungen; gelochte, innenbelüftete Stahlscheiben, keramische Pagid-Reibbeläge, ABS, Unterdruck-Bremskraft-Verstärker · Fahrwerk: vorn Federbein-Achse mit einzeln an Querstreben, Längslenkern und Federbeinen aufgehängten Rädern, hinten Mehrlenker-Achse mit einzeln an fünf Lenkern geführten Rädern, in Kooperation mit FVD optimiertes, auf der Radlastwaage eingestelltes Cup-Package aus Bilstein-Stoßdämpfern und jeweils doppelten H&R-Schraubenfedern, 25 mm Absenkung · Räder: Yokohama "AVS Sport" (235/35 ZR19 vorn und 315/25 ZR19 hinten) auf dreiteiligen Cargraphic-Kreuzspeichen-Rädern (9J x 19 vorn und 11J x 19 hinten) mit warm ausgelagerten, in "Rivierablau" lackierten Sternen und speziell gefertigten Kappen in Zentralverschluss-Optik · Interieur: Original-Lenkrad Typ 996 GT3-RS mit Alcantara-Bezug und blauen Nähten, Recaro-Clubsport-Schalensitze mit feuerabweisenden Nomex-Bezügen, Alcantara-Bezug mit blauen Nähten an Schaltknauf und -sack, lackierter Clubsport-Überrollbügel, Navigation Typ Becker Traffic Pro, Harman/Kardon-Lautsprecheranlage in Original-Einbauschächten · Gewicht: 1.380 kg · Höchstgeschwindigkeit: 346 km/h bei 7.950/min (lt. Digitaltacho) · Laufleistung: 5.500 Gesamtkilometer

Text und Fotos: Carsten Krome
Copyright © 2004 by TV Trend Verlag GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

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