Erinnern Sie sich noch an Thomas Nater und den phantasievoll dekorierten 996 GT3 Clubsport aus Porsche Scene 02/2003? Inzwischen hat er das wassergekühlte Art-Objekt nach Finnland verkauft und wie erwartet seinen zehnten Zuffenhausener ins heimische Göttingen gebracht. Aber damit wollen wir uns diesmal nicht beschäftigen. Noch nicht – zunächst drängt sich ein glanzschwarzes Carrera 2 Cabriolet auf. Naters Gattin ist damit zwischen 1997 und ’99 unterwegs gewesen. Heute weiß sie, dass sie ein Universaltalent aus den Händen gegeben hat!

Ein Cabriolet, das straff und solide genug ist für die Nürburgring-Nordschleife? Puristen dürften beim bloßen Gedanken daran abwinken! Eberhard Joest weiß Gegenteiliges zu berichten. Der 38-jährige Geschäftsführer-Assistent übernahm 1999 einen von zwischenzeitlich zehn Porsche des Göttingers Thomas Nater. Seitdem erfreut er sich eines vielseitigen Sportlers. Elitär kann das Denkmal aus den frühen Neunzigern sein, im selben Moment aber auch kuvengierig-stringent. Ein Typ mit zwei Gesichtern eben. Und genau das schätzt sein heutiger Eigner. Hat ihn der Alltag in einem Druckerei-Fachbetrieb erst einmal losgelassen, reist er gern in Richtung Eifel. Der einstige Rallye-Quertreiber hat Verwandtschaft dort. Ach ja – die Nordschleife liegt auch gleich nebenan. Auf dem alten Nürburgring pflegt Eberhard Joest seine Runden zu drehen – helmbewehrt im übrigen! Den Kopf schützt er nicht ohne Grund. Nach dem Ende einer Schotter-Karriere liebt er kontrollierte Drifts noch immer.

Das weiß auch Thomas Nater, der seinen Kunden von gemeinsamen Motorsport Aktivitäten her kennt. Er selbst besaß in den frühen neunziger Jahren einen Carrera 964 RS, dessen Farbgebung sich an den GT-Cup Boliden der Gebrüder Fabian und Michael Roock ausgerichtet hatte. Die GTP-Clubsport-Szene nahm ihn herzlich auf. Der heute 38-jährige Unternehmer lernte viel, vor allem über Fahrwerke. Mit der Zeit verkürzten sich Federwege und Stoßdämpferlängen. Die an sich hervorragende Original-RS-Bestückung wurde überflüssig. Was tun mit der guten Ware? Ein Ansatz war flugs gefunden. Nater überzeugte die Gattin zuhause, den Arbeitsweg in einem Carrera 2 Cabriolet zurückzulegen. Dem eilte der Ruf voraus, von hoher Stabilität gesegnet zu sein. Der Betrieb unter sportlichen Vorzeichen würde dem offenen Stahlblech-Gehäuse nichts anhaben können. Soweit die Theorie. Um die Praxis für sich sprechen zu lassen, war nun ein Basisfahrzeug geschuldet!

Das trieb Thomas Nater in Würzburg auf. Eine nach seinem Bekunden „sehr nette“ Dame trennte sich von ihrem 1990 zugelassenen Drittwagen. Binnen sieben Sommern hatte die Gute 18.000 Kilometer abgespult – nicht mehr! Sie hinterließ einen So-gut-wie-Neuwagen, in Glanzschwarz gehalten und von Kalamitäten unbelastet. Das verschmähte RS-Fahrwerk kam darin zu Ehren. Dasselbe galt für den Original-Rädersatz aus dem Carrera-Cup von 1992. Den hatte einst Speedline im Werksauftrag hergestellt, dreiteilig aufgebaut – und mit verzinkten Schrauben ausgeliefert. „Das sah hässlich aus!“ erinnert sich der passionierte Tüftler, „ich zerlegte die Felgen, zog hart verchromte Verbindungen ein. Durch die gewählte Vorbehandlung platzte beim Anziehen nichts ab. Darüber hinaus kamen die Sterne unter denselben glanzschwarzen Lack wie die Außenhaut. Und die Außenschüsseln ließ ich auf Hochglanz polieren.“ FVD legte eine Querabstützung zwischen den vorderen Federbeinen nahe. Justierfähige Stabilisatoren nach RS-Spezifikationen an Vorder- sowie Hinterachse entstammten dem eingangs erwähnten Fundus.

Das Eintreffen der Komponenten war freilich nur die halbe Miete. Ihre Feinabstimmung wog schwerer. Thomas Nater bemühte eine digitale Radlastwaage. Im Wettbewerb hatte er festgestellt, was dieser Kunstgriff bringt. Der Dozent ergreift das Wort: „Man korrigiert die Fahrzeughöhe an allen vier Rädern so lange, bis alle Teilgewichte annähernd identische Werte ergeben. Daraus resultiert die perfekte Balance!“ Ganz nebenbei fand das Chassis vorn zu 20, hinten 50 Millimeter mehr Bodennähe. Distanzscheiben – vorne sieben, hinten 15 Millimeter stark – unterstreichen das Erscheinungsbild. Unangetastet blieb auch der Motor nicht. Eine Leistungsanalyse hatte ergeben, dass von Hause aus 258 PS zur Verfügung standen. „Was nach oben hin streut“, weiß Thomas Nater, „überzeugt auch auf höherem Niveau!“ Er ließ dem Sechszylinder ein seinerzeit populäres Tuningprogramm angedeihen: Heißfilm-Luftmassen-Messung, modifiziertes Steuergerät, Edelstahl-Abgasanlage.

Als der zweite Fitness-Check anstand, zeigte der Prüfstand 303 PS an. Das reicht aus, die Tachonadel auf 295 km/h schnellen zu lassen! Die Kehrseite der Medaille: Die Bremsinstallation stieß an natürliche Grenzen, trotz Belüftungs-Einsätzen in der Front. Rote Doppelturbo-Sättel vorn, kombiniert mit RS-Zangen hinten, brachten den Frieden zurück nach Niedersachsen. Gelochte, innenbelüftete Scheiben leisten ebenso ihren Beitrag wie eine siedefeste Bremsflüssigkeit. Das Ensemble stellte seine Pisteneignung mit Bravour unter Beweis. In der Grünen Hölle beschert es zügige Fortbewegung. Dies belegen spontane Kaufangebote, die immer wieder unter den Scheibenwischern flattern. Erfolg versprechen sie erst im Nächsten Jahr. Dann nämlich vollzieht Thomas Nater den Umstieg vom zehnten Porsche auf den elften. Eberhard Joest hat bereits eine Option hinterlegt. Auf ein 996-Cabrio, das mit 19-Zöllern durch die Lande rollt. Sicher ein ähnlich gabenreiches Universaltalent, einer etwas höheren Preiskategorie zugehörig. Wer die Wahl hat...
Text und Fotos: Carsten Krome
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Tech-Facts
· Typ: 964 Carrera 2 Cabriolet 1990 · Karosserie: Stahlblech, offenes Cabriolet, weiße Front- und Seitenblinker, voll funktionsfähige Bremsbelüftungs-Einsätze, Rückspiegel Typ Carrera-Cup 1992, elektrisches, neu bezogenes Verdeck, Original-Lackierung in Glanzschwarz · Motor: luftgekühlter Sechszylinder-Boxer, zwei Ventile pro Zylinder, K+N-Luftfilter-Einsatz, offenes Gehäuse, Heißfilm-Luftmassenmessung, durch Roock-Sportsystem modifiziertes Motor-Steuergerät, Cartronic-Edelstahl-Abgasanlage, veränderte Katalysator-Einbaulage · Hubraum: 3.600 ccm · Motorleistung: 303 PS · Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe · Bremsanlage: vorn rot lackierte Festsättel Typ 911 Biturbo, hinten rot lackierte Festsättel Typ 964 Carrera RS, innenbelüftete, gelochte Scheiben (322 mm vorn, 300 mm hinten), Stahlflex-Hydraulik-Leitungen, siedefeste ATE-Bremsflüssigkeit · Fahrwerk: höhenverstellbare Bilstein-Stoßdämpfer Typ 964 Carrera RS, Schraubenfedern, einstellbare Stabilisatoren Typ 964 Carrera RS, einstellbare FVD-Querabstützung zwischen den vorderen Federbeindomen · Räder: Michelin Pilot Sport (225/50-18 vorn und 265/35-18 hinten) auf dreiteiligen Speedline-Felgen Typ Carrera-Cup 1992 (8J x 18 vorn und 10,5J x 18 hinten), in Glanzschwarz lackierte Fünf-Arm-Sterne, hochglanzpolierte Außenschüsseln, hart verchromte Schrauben, Distanzscheiben (7 mm vorn und 15 mm hinten) · Cockpit: Original-Lederausstattung, elektrische, beheizbare Sitze, Momo-Lederlenkrad Typ „V32 Monte Carlo“ ohne Airbag, CD-Radio, optimierte Magnat-Lautsprecher · Gewicht: 1.380 kg · Höchstgeschwindigkeit: 295 km/h (lt. Tachometer) · Laufleistung: ca. 65.000 km