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Wir schreiben den Monat September 2005. Während Deutschland der Winterzeit entgegensieht, spiegelt sich noch einmal filigran geformtes Edelmetall in den Objektiven unseres Chefredakteurs Carsten Krome. Die Sonne meint es gut beim Herbsttermin in Göttingen! Im Mittelpunkt des Geschehens: ein 964 Carrera 2 mit RS-Flair. Dahinter steckt ein erklärter Freund des 911 GT3. Neuerdings legt er wieder Hand an die gesetztere Elfer-Generation mit Luftkühlung.

Dass Thomas Nater in Fachkreisen kein Unbekannter ist, verdankt er einer Reihe von Projektfahrzeugen. Fast immer verlieh Porsche Scene ihnen ein Podium. Warum aber unternimmt der Profi bei seinem aktuellen Werk, einem 964 Carrera 2, einen Zeitsprung von der Gegenwart zurück ins Jahr 1992? Aus seiner Sicht hat bei 911 GT3 und GT3-RS der Kostendruck angezogen. „Also suchte ich nach Alternativen“, schildert er, „die fand ich in Form der vorletzten Elfer-Modellreihe mit Luftkühlung.“ Seine Zielsetzung: Der Carrera 2 sollte innerhalb kürzester Zeit bei starker Gewichtsabnahme an Motorkraft zulegen, um aktuellen Leichtathleten Paroli bieten zu können. Dies gewährleistete ein Kampfgewicht von angepeilten 1.180 Kilogramm bei annähernd 300 PS.

Als problematisch gestaltete sich die Suche nach der geeigneten Basis. Fast ein Jahr nahm die Recherche in Anspruch, ehe sie ein Zufall zum guten Ende brachte. „Ich erinnere mich, einem Kunden einen umgebauten GT3 ausgeliefert zu haben“, holt Nater aus. „Dabei fiel mir auf dessen Grundstück ein 964 Carrera 2 auf, wie ich ihn mir immer gewünscht hatte – Polarsilber, kein Schiebedach, schwarze Innenausstattung, ordentliche Historie.“ Unmittelbare Folge des Hausbesuchs: ein Scheck über 22.000 Euro. Er zauberte den Fund nach Göttingen. Während der Verhandlungen war bereits eine Revisionsliste erstellt worden. Erster Punkt: die vollständige Entkernung. Sämtliche Bestandteile des Innenraums, Glasscheiben, Hauben, Stoßfänger und Türen mussten genau wie die Motor-Getriebe-Einheit ausgebaut werden.

Anschließend stand die Arbeitsstunden verzehrende Säuberung des Fahrgastbereichs an. „Zwei Mann beseitigten Teppichreste mit Verdünner“, schildert der Verantwortliche. „Das war dringend notwendig, da die freiliegenden Flächen anschließend lackiert werden sollten.“ Nach erfolgreicher Neueinfärbung konnte die zeitgleich organisierte Sportgarnitur Einzug halten. Letztere sieht – mit knappen Worten umrissen – wie folgt aus: Recaro-SPG-Schalensitze auf passenden Konsolen, Schroth-Sechspunkt-Hosenträgergurte, Türinnentafeln aus Kohlefaser, RS-Türschlaufen, Heigo-Sicherheitszelle, beiderseitig entfernter Airbag, aufs Wesentliche beschränkte Armaturentafel, 350er Momo-„Supercup“-Volant, herausnehmbarer Supercup-Adapter, Fensterheber sowie Hauptstromschalter in der Radioblende, Aluminium-Pedalerie einschließlich Fußstütze, dazu als fahrerseitige Bodenplatte ein Aluminium-Riffelblech.

Die Sportlerdiät machte auch vor der Karosserie nicht halt. Bevor letztere einen Teilanstrich in „Polarsilber“ erfuhr, kam es zum Austausch der Serien-Fronthaube gegen ein Aluminium-Derivat des 964 Carrera RS. Die Stoßfänger trugen ebenso zur Gewichtsreduktion bei, obwohl geänderte Kennzeichenaufnahmen im US-Look diese fulminant erscheinen lassen. Durch Weglassen der innen angebrachten Aluminium-Streben verloren sie deutlich an Masse. „Danach weiteten wir gewollt unauffällig die vorderen und hinteren Radhäuser auf“, offenbart der Trickreiche. „Die ganze Sache sollte hinterher noch möglichst originalgetreu aussehen.“ Grün getönte hintere Scheiben aus dem Kunststoff Makrolon wirkten ergänzend.

Um der neuen Leichtigkeit auf die Sprünge zu helfen, unterzog sich der 3.600 ccm große Treibsatz einer Verjüngungskur. Neben der mechanischen Überarbeitung der Zylinderköpfe standen die Erneuerung sämtlicher Verschleißteile, der Entfall des Zusatzheizlüfters sowie die Montage eines Karbon-Verbindungsrohrs auf dem Plan. In Sachen Motormanagement vertraute der Kenner auf Hausgemachtes: Ein eigens geschriebenes Programm zeichnet für das neu konfigurierte Motronic-Steuergerät verantwortlich. Einen sauberen Fluss der Abgase realisiert die Kombination aus 100-Zellen-Katalysator, Cup-Querrohr, Original-Endschalldämpfer sowie speziell gefertigtem 108-Millimeter-Endrohr. Ein verstellbares Bilstein-Rennfahrwerk, bestehend aus 993-Cup-Stoßdämpfern und H&R-Doppelfedern, ergibt die Grundlage für souveränes Handling.

Stabilisatoren aus dem Motorsport-Regal, Aluminium-Querabstützung im Vorderwagen sowie verstellbare Domlager unterstützen dies. „Damit sind bis zu vier Grad Sturz an Vorder- und Hinterachse darstellbar“, begeistert sich der Clubracer. „Dieses Paket ist den Cup-Autos aus damaliger Zeit ebenbürtig!“ Handfeste Bremsen bieten entsprechende Verzögerungswerte. An der Vorderachse arbeiten gelbe Vierkolben-Festsättel eines 965 Turbo S. Sie halten 340 Millimeter große Scheiben im Zaum. An der Hinterachse verrichtet eine 300-Millimeter-RS-Anlage ihren Dienst. Gelbe Pagid-Reibbeläge sowie Stahlflex-Leitungen machen das Sportfahrerglück komplett. Zur Platzierung der Räder war ein letztes Mal Maßarbeit gefragt, um die Dunlop-Pneus auf Speedline-Cup-Dreiteilern unterzubringen. „Obwohl wir uns im Straßenbetrieb für ein Verhältnis von 225/35 ZR18 vorn sowie 265/30 ZR18 hinten entschieden, ist es in den Radhäusern eng geworden“, stellt Mitarbeiter Andreas Wieser fest.

Die Vorderachse bereitete am meisten Mühe. Dort galt es, Radhausschalen nebst Kühlerelementen in Richtung Fahrzeugfront zu verlegen. Abschließende Hürde: das offizielle Wiegen. Das Resultat: Mit 1.180 Kilogramm Trocken- und Leergewicht erreichte das RS-Substitut gemäß Naters Angaben sein Klassenziel.

Text: Marc Timmer
Fotos: Carsten Krome

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Tech-Facts

· Typ: 964 Carrera 2 1992 · Karosserie: geschlossenes, unverbreitertes Stahlblech-Coupé; Aluminium-Fronthaube Typ 964 Carrera RS, gewichtsoptimierter Stoßfänger, US-Nummernschild-Aufnahmen, Rennsport-Abschleppöse vorn, weiße Blinkergläser vorn und an den Seiten, Lufteinlässe anstelle originaler Nebelscheinwerfer, Radhausschalen vorn nebst Kühlerelementen zur Fahrzeugfront hin vorverlegt, Radhäuser vorn und hinten aufgeweitet, Kotflügelkanten umgelegt, rotes Heckleuchtenband, Heckfenster und hintere Seitenscheiben aus grün getöntem Makrolon-Kunststoff, Originallackierung in „Polarsilber“, Stoßfänger und Seitenschweller neu lackiert, Aluminium-Querabstützung zwischen den vorderen Federbeindomen · Motor: generalüberholter Sechszylinder-Boxer, zwei Ventile pro Zylinder, überarbeitete Zylinderköpfe, verschleißrelevante Teile erneuert, Zusatzheizlüfter entfernt, Karbon-Verbindungsrohr, modifiziertes Motorsteuergerät, BMT-Luftfiltersystem, 100-Zellen-Teilkatalysator, Cup-Querrohr, Original-Endschalldämpfer, 108-Milimeter-Endrohr · Hubraum: 3.600 ccm · Motorleistung: 294 PS (Halterangabe) · Kraftübertragung: komplett überholtes, mit diversen Neuteilen des 964 Carrera RS bestücktes Fünfgang-Schaltgetriebe; Differentialsperre Typ 964 Carrera RS, Heckantrieb · Bremsanlage: vorn original 965 Turbo S mit gelochten, innenbelüfteten 340-Millimeter-Scheiben sowie gelben Vierkolben-Sätteln und gelben Pagid-Reibbelägen; Stahlflex-Flüssigkeitsleitungen · Fahrwerk: einstellbares Bilstein-Rennsportfahrwerk, bestehend aus 993-Cup-Stoßdämpfern sowie H&R-Doppelfedern; einstellbare Stabilisatoren, einstellbare Domlager mit bis zu vier Grad Sturz an Vorder- und Hinterachse · Räder: Set 1: Dunlop „SP 9000” (225/35 ZR18 vorn und 265/30 ZR18 hinten) auf überarbeiteten Speedline-Cup-Felgen (8,5J x 18 vorn und 10,5J x 18 hinten) Set 2: Dunlop „Sport Race“ (225/40 ZR18 vorn und 255/35 ZR18 hinten) auf identischen Felgen · Interieur: schwarze Originalausstattung einschließlich Airbags beiderseitig und Rücksitzanlage größtenteils entfernt, Armaturenträger entkernt, herausnehmbares 350-Millimeter-Momo-„Supercup“-Lenkrad mit Porsche-„Supercup“-Adapter; Recaro-Schalensitze auf Recaro-Konsolen, Rückenschalen in „Polarsilber“ lackiert, Schroth-Sechspunkt-Hosenträgergurte, Karbon-Türinnentafeln, RS-Türschlaufen; Heigo-Sicherheitszelle mit H-Strebe, Verstärkungskreuz, Diagonalstrebe; Fensterheber und Not-Aus-Schalter in der Radioblende, Aluminium-Pedalerie und –Fußstütze, Bodenplatte fahrerseitig aus Aluminium-Riffelblech speziell gefertigt; Motorsteuergerät zur besseren Zugänglichkeit nach vorn verlegt · Gewicht: 1.180 kg (Halterangabe) · Höchstgeschwindigkeit: 302 km/h (Halterangabe)

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