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Thomas Nater war noch nicht volljährig, als er ein Käfer-Cabriolet nach seinen eigenen Vorstellungen umkrempelte. Stets den Absprung ins Porschelager vor Augen, modifizierte der Energieanlagen-Elektroniker 21 weitere Volkswagen! 1992 vollzog er den ersehnten Markenwechsel und stieg in ein 911-SC-Cabrio von 1983 um. Lange sollte er es nicht behalten. Acht Sportwagen aus Zuffenhausen folgten. Der neueste: ein 996 GT3 Clubsport.

Schon einmal im Casino des Stuttgarter Porsche-Werks gewesen? Falls nicht, empfiehlt sich die Nachfrage bei Thomas Nater in Göttingen. Der 36-jährige Energieanlagen-Elektroniker kennt sich dort bestens aus. Besonders die Wände hat er studiert mehr oder weniger zufällig, während einer Betriebsbesichtigung. Besonders faszinierte ihn das selten gezeigte Bild jenes 993 GT2, der Mitte der Neunziger mittels verschiedenfarbiger Quadrate in ein Kunstwerk auf Rädern verwandelt worden war. Für Thomas Nater stand augenblicklich fest: "Diese Lackierung setze ich an meinem 996 GT3 Clubsport in ein Foliendesign.
Doch dazu benötigte er zusätzliche Perspektiven. Als schließlich auch die den Weg in die ehrwürdige Universitätsstadt gefunden hatten, folgte die Verwirklichung am FolienSchneidetisch. Nater hatte gefordert: "Kratzer im Lack akzeptiere ich nicht. Jede einzelne Fläche sollte vorausberechnet und vor der Montage auf ihr exaktes Maß getrimmt werden!" Kostenträchtige Konsequenz: 110 Stunden Profi-Arbeit. Der Vorteil gegenüber dem Original: Heiße Luft könnte den Grand-Prixweißen Anstrich mühelos freilegen, sollte dies jemals erforderlich werden. Thomas Nater hat mit den Jahren verinnerlicht,




dass eventuelle Rückrüstungen Bestandteil jedes klug durchdachten Umbaukonzepts sein sollten. Mit 17 Lenzen modifizierte er sein erstes Auto ein Käfer-Cabriolet. 21 Volkswagen folgten, sicher auch begünstigt durch elterlichen Einfluss bis heute wirkt Nater senior als Prokurist des örtlichen VWund Audi­Zentrums. Dennoch riet er seinem Filius von einem beruflichen Einstieg in das Kfz-Gewerbe ab zuwenig Perspektiven. Der Sprössling gab sich folgsam, heuerte bei einem Energieversorger an und gründete später als zweites Standbein einen kleinen, aber feinen Tuningbetrieb.
Mangelnder Geschäftssinn scheint Thomas Naters Schwäche nicht zu sein. 1992 vollzog er den lange angestrebten Absprung in den ersten eigenen Porsche. Die Einstiegshilfe: ein damals neun Jahre altes 911-SC-Cabrio. Für das eigentliche, geheime Wunschmodell standen keine Mittel zur Verfügung noch nicht, wie sich bald herausstellen sollte. Denn auf dem Weg zum derzeitigen 996 gönnte sich der ewig Rastlose acht Fahrzeugwechsel. Der herbeigesehnte Carrera 964 RS war ebenfalls darunter offiziell, um seine Angetraute zu mobilisieren! "Doch sie nahm ihn stets mit in ihre kieferorthopädische Praxis.

Für mich gab's nur den Dienstwagen!", seufzt er augenzwinkernd.

Naters Credo: "Einerseits ist es schön, ein Hobby zum Beruf gemacht zu haben, andererseits muss ich die Kirche im Dorf lassen!" Die Wahl des Firmen-Flaggschiffs bekräftigt diese Einstellung: "Sicher hätte mich auch ein aktueller 996 GT2 gereizt, aber das hätte zu Irritationen führen können. Mir ging es darum, den Stand der Dinge aufzuzeigen. Und das kann man mit einem Saugmotor im Rücken genauso gut." Der gibt immerhin 36 PS mehr ab als ursprünglich. Zurückzuführen ist dies auf einen Ansaugtrakt 




aus Kohlefaser einschließlich Airbox, CarreraCup-Nockenwellen und einer Cargraphic-Abgasanlage samt Fächerkrümmern, Metall-Katalysatoren sowie 60-Millimeter-Endrohren. Das dazugehörige Basisfahrzeug entdeckte Thomas Nater im Porsche Zentrum Paderborn ein GT3 Clubsport, dem es an nichts fehlte. "Selbst die Bohrungen für einen Überrollkäfig waren bereits vorhanden", freut er sich, "außerdem waren die Teppiche nicht mit Heißkleber verlegt, sondern lose eingelegt worden. Darunter trat einwandfrei durchlackiertes Blech hervor!" Sein Vorhaben: die Aufzucht nach Carrera-Cup Methode.
Wesentlicher Unterschied: Nicht eine eingeschweißte Stahlzelle sollte das Gehäuse versteifen, sondern lediglich eine geschraubte Version von Matter abermals ein Kunstgriff mit Rückfahrschein?

Die Frage nach der Qualität des nächsten Schrittes drängt sich auf. Die Entgegnung überrascht: "Ich will die Optik dem aktuellen Carrera-Cup-Standard anpassen, mit BixenonScheinwerfern, Stoßfängern und Mittelrohr-Auspuff." Schon jetzt zitiert die Außenhaut Deutschlands schnellsten Markenpokal, aber eben nur auf dem Stand von 2001. Wichtigste Abweichung: hochglänzende, aus Aluminiumblech gefräste Heckflügelstützen. "Die habe ich lasern lassen", verweist der Detailverliebte und eröffnet: "Möglich, dass meine Farbfolie in absehbarer Zeit überflüssig wird!" Scharrt da etwa Porsche Nummer zehn in den Startlöchern?

Text und Fotos:
Carsten Krome

Copyright © 2003 by TV Trend Verlag GmbH. Alle Rechte vorbehalten.




Tech-Facts

Typ: Carrera 2 996 GT3 Clubsport 2001 · Karosserie: Stahlblech, fest verschraubter GT3-Stahlkäfig, Carrera-Cup-Aerodynamik-Kit (Stand 2001), 7-fach verstellbares Heckflügelblatt auf speziell gefertigten Stützen aus Aluminiumblech, im Laser-Schnittverfahren eingebrachte GT3-Schriftzüge, vorausberechnetes, am Folien-Schneidetisch montagegerecht hergestelltes Farbflächendesign · Motor: wassergekühlter Sechszylinder-Boxer, vier Ventile pro Zylinder, Carbon-Ansaugtrakt, Cup-Luftfilter, Cup-Nockenwellen, von AP Car Design modifiziertes Motorsteuergerät, Cargraphic-Abgasanlage einschließlich Fächerkrümmern und, Metall-Katalysatoren, speziell angefertigte 60-Millimeter-Endrohre von AP Car Design · Hubraum: 3.598 ccm · Motorleistung: 404 PS · Getriebe: Sechsgang-Seilzugschaltung, Sintermetall-Kupplung, BMR-Schaltwegverkürzung · Bremsanlage: gelochte, innenbelüftete 330-Millimeter-Scheiben, Pagid-Reibbeläge, Stahlflex-Hydraulikleitungen, ABS · Fahrwerk: von Tolimit Motorsport per Radlastwaage feinjustiertes Original-GT3-Fahrwerk einschließlich doppelter H&R-Schraubenfedern, Abstimmung zugunsten einer leichten Tendenz zum Übersteuern modifiziert · Räder: Michelin Pilot Sport (225/40-18 vorn und 280/30-18 hinten) auf dreiteiligen Cargraphic-Felgen (8,5 x 18 ET28 vorn und 11 x 18 ET42 hinten), speziell angefertigte Zentralverschluss-Deckel von AP Car Design · Cockpit: Recaro-Rennsport-Fahrersitz gemäß Carrera-Cup-Reglement 2001 mit Rückenschale in Wagenfarbe auf verstellbarer Konsole, Momo-Cup-Lenkrad einschließlich Schnellverschluss-Adapter, Navigationssystem Becker Traffic Pro, Lederbezug an Armaturentafel und Türverkleidungen, zentral nach oben verlegte Schalter · Gewicht: 1.290 kg · Höchstgeschwindigkeit: 302 km/h


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