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1999 war ein besonderes Porsche-Jahr. Nach GT1-Offensive und Le-Mans-Sieg zogen sich die Schwaben aus dem Spitzensport zurück, um Modelle wie den Carrera GT oder Cayenne entstehen zu lassen. An der Schwelle zum nächsten Millennium setzten sie noch rasch ein Zeichen: den 996 GT3. Er sollte ein unmittelbarer Nachfahre der RS-Ausführungen mit Luftkühlung sein, Straßenverkehr und Rundstrecke vereinen. Diesen Anspruch verstärkte eine Auflage für die werkseigenen Markenpokale "Carrera Cup" und "Supercup". Zu diesem Zeitpunkt saß Jens-Uwe Argo in einem 964 Carrera Cup-RS. Als er ihn schließlich verkaufte, kroch Reue in ihm hoch. Er suchte nach würdigem Ersatz einem 996 GT3 der ersten Serie von 1999! Jens-Uwe Argo ist Enddreißiger, mit einer Werbeagentur erfolgreich und seit zehn Jahren der Elfer-Riege zugehörig. Ein schwarzer 911 Carrera 3,2 von 1989 markierte seinen Einstieg. "Ein Porsche, wie er sich gehört", stellt der Braunschweiger fest, "obwohl der nachfolgende 964 Carrera die für mich endgültige Form aufwies." Der gebürtige Hamburger muss es wissen. Schließlich studierte er an der Kunsthochschule, ehe er ein kleines Atelier aufbaute. Emotionen sind sein bevorzugtes Thema. Menschen, die keine aufbringen, gehen ihm auf die

Nerven. Und irgendwie empfand er auch diese frühen 996 mit Wasserkühlung zunächst als nüchtern und wenig ansprechend. Selbst hatte Argo in der Zwischenzeit den Schritt zum 964 Carrera Cup-RS vollzogen. Doch er verkaufte ihn wieder. War da doch der Reiz des Modernen, des jeweils letzten Entwicklungsstandes? Dem will er nicht widersprechen, räumt jedoch eine Liebe mit langer Entwicklungszeit ein. "Sie offenbarte sich zögerlich" heißt es. So als habe es gar nicht anders kommen können.
Doch der Weg hinein in biaritzweißen 996 GT3 der ersten Serie war weit. Es waren einfach keine zu haben! Schließlich fand sich ein geeignet scheinendes Exemplar im Porsche Zentrum Pforzheim. Im Juni 1999 ausgeliefert, mutete das Sammlerstück wie eine Perle an. Nachvollziehbare 11.000 Kilometer hatte die 360-PS-Fuhre zurückgelegt, mehr nicht! Porsche-Lieferant Becker Design aus Nieder-Olm bei Mainz hinterließ ein sehr aufwändiges, unter Klarlack versiegeltes Folien-Schriftbild. So entsprach die Außenhaut einigen raren Messefahrzeugen, die damals Aufmerksamkeit für die neuen Markenpokale erregen sollten. Argo erkannte: Für den Alltagsbetrieb war dieser Auftritt zu gewagt! Seine Herz-Dame bestätigte den Verdacht. Nach einigen wenigen Gelegenheiten verweigerte sie jede weitere Mitfahrt. Ein Fachbetrieb war gefordert, um zurück zur Einfarbigkeit zu finden. In Porsche Scene hatte er immer wieder gern gelesen, darin auch einen Namen aus Göttingen

ausgemacht: AP Car Design. Der Anruf war im Handumdrehen erfolgt und ein Termin vereinbart.
Als es zum anberaumten Termin kam, staunten die Beteiligten nicht schlecht: "Sie kenne ich doch!" Lange nachdenken mussten beide nicht. Thomas Nater verwies auf eine Besichtigung von Argos 964 Carrera Cup-RS. Der Bann war gebrochen leider aber auch eine Hiobsbotschaft nicht weit. Die Versiegelung der Klebefolien-Beschriftung mit Klarlack erforderte das Abschleifen bis aufs nackte Karosserieblech! Bis der Schreck verdaut war, war ein Maßnahmen- plan bereits ausgearbeitet. Es galt, Vorhandenes zu optimieren. Das Fahrwerk zum Beispiel erfuhr eine Feinjustierung, die Spurund Sturzwerte beinhaltete. Drei Grad negativer Sturz an der Vorderachse machen Rundstreckeneinsätze möglich. Dasselbe gilt für klassisch anmutende Dreiteiler mit goldenen
Kreuzspeichen. Doch weder sind sie in Schiltach im Schwarzwald produziert worden, noch hören sie auf den Markennamen BBS! Der Hersteller praktiziert im pfälzischen Landau und heißt Cargraphic. Eine seiner Spezialitäten sind warm ausgelagerte Felgensterne, die er aus Gründen der Festigkeit empfiehlt. AP Car Design gestaltete sie in einem Volvo-Gold aus dem Modelljahr 1972 um.

"Der Farbton des Schneewittchensargs passte am besten", beschreibt Mitarbeiter Andreas Wieser, "es kommt eben nicht nur in Agenturen auf Einfallsreichtum an!" Bewährtes war bei der äußeren Hülle Trumpf: "Biarritzweiß", wie bereits ab Werk ausgeliefert. Die Zahl optischer Eingriffe ist an einer Hand abzuzählen. Bis auf die Gitter zum Schutz der exponierten Wasserkühler blieb die Frontpartie von Änderungen verschont. Xenon-Technologie verhalf den SpiegeleiScheinwerfern zu mehr Ausdruckskraft. Ein Air-RamSystem erweitert den schwertförmigen Standard-Heckflügel. Das verstellbare Mittelteil reckt sich mit acht Grad Steigungswinkel in die Höhe. Durch die Verglasung schimmern Rohre des Schraubkäfigs eines GT3-RS. Weil Jens-Uwe Argo keine Clubsport-Version gekauft hatte, mussten Bohrungen gesetzt werden. Dass Teppichboden zur Komfort-Ausstattung gehört, ist selbstverständlich! Gegensätzliche Eindrücke vermittelt das 350er Momo-"Cup"-Lenkrad mit TÜV-Zulassung und Schnellverschluss-Nabe. Diese hilft normalerweise großgewachsenen Rennfahrern, den eingeschweißten Flankenschutz zu überklettern.
Über deutlich mehr Motorleistung verfügten CarreraCup-Piloten übrigens auch nicht. AP Car Design installierte ein Paket, das sich im wesentlichen aus BMC-Luftfilter, angepasstem Motronic-Steuergerät und 200-Zellen-Edelstahl-Katalysatoren zusammensetzt. Die Luftmassenmessung blieb bestehen, um über einen möglichst harmonischen Leerlauf zu verfügen.

Abgasseitig kam es zur Kombination einer ausgesuchten Endschalldämpfer-Variante mit zwei Endrohren aus dem Tequipment-Programm. Die Bilanz: gemessene 363 PS am Tag der Anlieferung, auf dieselbe Weise ermittelte 392 PS zum Zeitpunkt der Auslieferung. Was diesen Sechszylinder von Cup-Treibsätzen unterscheidet, dürfte sich auf den Drehmomentverlauf beschränken. Schließlich sollen harmlose Sonntagsausflüge nach wie vor drin sein. Davon zeugt auch der gewählte Getriebestand. Zwar erfolgte die Umrüstung von Messing auf Stahl-Synchronringe. Doch eine straffe Sintermetall-Kupplung blieb draußen. Ein Sportkit von Sachs blieb das Äußerste, wozu Jens-Uwe Argo sich überreden ließ.
Das Resultat fasst er so zusammen: "Mein 996 GT3 fühlt sich synthetischer, aber auch perfekter als ein 964 Carrera Cup-RS an." Ist ihm das Fahrgefühl genug? "Aber sicher", sagt Jens-Uwe Argo, "Thomas Nater hat diesen Porsche authentisch werden lassen. Für mich ist es Rock 'n' Roll!" Freuen wir uns über ein wassergekühltes Anwender-Beispiel, das lange auf sich warten ließ precisely white!

Text und Fotos: Carsten Krome
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Tech-Facts
· Typ: 911 GT3 06/99 · Karosserie: geschlossenes Coupé, selbsttragend, beidseitig verzinkter Leichtbau-Ganzstahl-Aufbau; 4.430 mm Länge, 1.765 mm Breite, 1.270 mm Höhe, 2.350 mm Radstand; Wasserkühler-Schutzgitter in vorderer PU, Umrüstung von H7-Scheinwerfern auf XenonLichttechnik, geringfügige Aufweitung der Radhäuser, Justierung des Serien-Heckflügels auf acht Grad Steigungswinkel, Air-Ram-Lufteinlass-System; neuer Lackaufbau in ZweischichtKlarlackverfahren im Original-Farbton "Biarritzweiß" nach 11.000 Kilometern Laufleitung · Luftwiderstandsbeiwert: cW = 0,30 · Motor: Sechszylinder-Boxermotor mit AluminiumKurbelgehäuse und -Zylinderkopf, wassergekühlt; Titanpleuel, vier obenliegende Nockenwellen, axiale Nockenwellenverstellung, vier Ventile pro Zylinder, variable Steuerzeiten, hydraulischer Ventilspielausgleich, Schaltsaugrohr, Trockensumpfschmierung, zweiflutige Abgasanlage mit je einem Dreiwege-Metallkatalysator, zwei Lambda-Sonden mit Stereoregelung, 12,5 Liter Motoröl; DME-Motorsteuerung (Digitale Motor-Elektronik) für Zündung und Einspritzung, elektronische Zündung mit ruhender Zündverteilung (sechs Zündspulen), sequentielle Multipoint-Einspritzung; durch AP Car Design vorgenommene Leistungsoptimierung, bestehend aus BMC-Luftfilter, Motronicänderung, 200-Zellen-Edelstahl-Katalysator, Endschalldämpfervariante, TequipmentEndrohren, Beibehaltung der Luftmassenmessung · Hubraum: 3.600 ccm (100 mm Bohrung, 76,4 mm Hub) · Motorleistung: 360 PS bei 7.200/min (Werksangabe, durch AP Car Design angehoben auf 392 PS, durch Leistungsmessung verifiziert) · maximales Drehmoment: 370 Nm bei 5.000/min · maximale Drehzahl: 7.800/min · Kraftstoffart: Super Plus (ROZ/MOZ 98/88) unverbleit · Kraftübertragung: Motor und manuelles Sechsgang-Schaltgetriebe zu einer Antriebseinheit verschraubt, Antrieb über Doppelgelenkwellen auf die Hinterräder, 240 mm Kupplungsdurchmesser · Fahrwerk: vorn McPherson-Bauart (Porsche-Optimiert); Federbein-Achse mit einzeln an Querstreben, Längslenkern und Federbeinen aufgehängten Rädern; zylindrische Federn mit jeweils einem innenliegenden Einrohr-Gasdruck-Stoßdämpfer; hinten Mehrlenker-Achse, einzeln an jeweils fünf Lenkern geführte Räder; zylindrische Schraubenfeder je Rad mit koaxialem, innenliegendem Einrohr-Gasdruck-Stoßdämpfer; Abstimmung durch AP Car Design modifiziert, 3 Grad negativer Sturz an der Vorderachse durch Verwendung von Uniball-Gelenken · Bremsanlage: ZweikreisBremsanlage, Vierkolben-Aluminium-Monobloc-Bremssattel an Vorderund Hinterachse, achsweise Aufteilung; gelochte, innenbelüftete Bremsscheiben an Vorderund Hinterachse; ABS, VakuumBremskraftverstärker, Stahlflex-Leitungen, DOT4-Bremsflüssigkeit, Pagid-Reibbeläge gelb · Räder: Yokohama "AVS Sport" (225/40 ZR18 vorn und 285/30 ZR18 hinten) auf dreiteiligen CargraphicRädern (9J x 18 ET46 vorn und 11J x 18 ET50 hinten) mit warm ausgelagerten, in Volvo-Gold lackierten Sternen, handpolierte Außenschüsseln, 5-Millimeter-Distanzringe · Interieur: Fullsizeund Seiten-Airbag für Fahrer und Beifahrer ("Clubsport"-Ausstattung ohne Seiten-Airbag), zwei Sitzplätze, herausnehmbares Momo-350-Millimeter-Lenkrad mit TÜV, fest verschraubte EisenmannSicherheitszelle des Typs 996 GT3-RS, Teppichsatz · Leergewicht DIN: 1.350 kg · Höchstgeschwindigkeit: 302 km/h (Werksangabe) · Beschleunigung: 0-100 km/h in 4,8 sec. (Werksangabe) · Verbrauch: 12,9 Liter (Gesamtschnitt, EG-Norm)
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